Wie gehen wir mit unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen um?
Nun, es wird immer Mobilitätsbedürfnisse geben, für die ein Auto die erste Wahl ist, bspw. für den Transport großer Warenmengen oder bei Einschränkungen der Mobilität. Letztere werden gerne dafür zitiert, dass man weiterhin uneingeschränkten Autoverkehr überallhin braucht. Leider vergisst man dabei, dass a) so den Bedürftigen die Parkplätze "geklaut" werden und dass b) viele gerade in dieser Zielgruppe sich gar kein Auto leisten können oder keins fahren können/dürfen/wollen/... Für diese brauchen wir einen weiteren Ausbau des barrierefreien ÖV, aber auch des barrierefreien Rad- und Fußverkehrs (keine Umlaufsperren wegen Sonderfahrräder, Bordsteinabsenkungen, Falschparker, Gehwegbreiten,...) und bessere Verfügbarkeit von Fahrdiensten, die durch Corona und Sparmaßnahmen stark gelitten hat. Parken im Freien muss insbes. in der City vorrangig für diese Zielgruppe (und für Handwerker etc.) reserviert sein (da bspw. ggfs. die Benutzbarkeit von Parkhäusern eingeschränkt sein kann), die Zugänglichkeit für nur temporär Eingeschränkte muss dafür erleichtert werden. Andere können oftmals viel leichter auch ÖV und Rad etc. nutzen. Deren Angebot muss weiter verbessert werden, damit der Umstieg erleichtert wird, Parken dagegen bspw. eingeschränkt und verteuert werden, damit die Verfügbarkeit für die verbessert wird, die darauf angewiesen sind.
Die Stadt der kurzen Wege = überall Nahversorgung etc. gehört auch zum Thema.
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Mit dem Rad ist man in…
Mit dem Rad ist man in längstens einer Stunde durch Karlsruhe hindurch, an seiner breitesten Stelle. Man ist also von einem großen Teil Karlsruher aus in 15 Minuten mit dem Rad in der Innenstadt. Die 15-Minuten-Stadt ist in Karlsruhe fast automatisch Realität, wenn man das Rad als Transportmittel gelten lässt. Hinzu kommt der insgesamt doch gut ausgebaute Nahverkehr.
Die Frage ist also, ob sich tatsächlich Fragen zum Mobilitätsbedürfnis stellen oder Fragen zum Mobilitätskomfortbedürfnis.
Mir scheint manchmal, dass die Forderung nach einer Stadt der kurzen Wege auf einem realen aber missverstandenen Problem beruht. Es hat nämlich nicht jeder Stadtteil ein Zentrum, das sich auch in jeder Hinsicht so anfühlt. Ein Zentrum erfüllt nicht nur Zentrumsfunktion, sondern es füht sich eben auch so an. Es ist kleinteiligen strukturiert, idealerweise "verwinkelter", etwas grüner und verkehrsberuhigt. Man bemerkt schon in welche Richtung es liegt, wenn man noch ein Stück davon entfernt ist, weil man die Richtung der zunehmenden Kleinteiligkeit intuitiv erkennt. Beispielsweise in der Südstadt Ost ist letzteres nicht so gut gelungen. Man steht unvermittelt auf dem Platz, nachdem man ihn zufällig gefunden hat. Das zerstört das Zentrumsgefühl überraschend stark.
Den Bedürfnissen des Autos…
Den Bedürfnissen des Autos wird dadurch ausreichend entsprochen, indem man die ganze Stadt zu einem riesigen Superblock macht: Jeder Stadtteil bekommt nur eine einzige Zufahrt für den Autoverkehr, sodass man von einem Stadtteil aus stets erstmal auf die Südtangente muss, bevor man dann in einen anderen Stadtteil kann.
Diesbezüglich hab ich schon ein paar Vorschläge gemacht:
Hier die generelle Idee: https://dialogzentrale.com/de/node/5541
Hier ein entsprechender Vorschlag für die Südweststadt: https://dialogzentrale.com/de/node/5699
Hier für die Oststadt: https://dialogzentrale.com/de/node/5586
Hier für Grünwinkel: https://dialogzentrale.com/de/node/5505
Hier für Rüppurr: https://dialogzentrale.com/de/node/5504
Hier für Weiherfeld:
https://dialogzentrale.com/de/node/5502
Und hier für Hagsfeld: https://dialogzentrale.com/de/node/5497
Dieses Konzept ist auch gut für weitere Stadtteile übertragbar, insbesondere die Südweststadt und Knielingen.
Der Autoverkehr muss so unattraktiv gemacht werden, dass nur noch diejenigen freiwillig mit dem Auto fahren, die dies zwingend müssen, beispielsweise Handwerker oder andere, die viel transportieren müssen.
Wer einfach nur sich selbst und vielleicht einen Rucksack dabei hat, für den muss es immer schneller sein, das Fahrrad oder den ÖPNV zu nehmen.