Mehrsprachigkeit als Normalität und Chance
Bildung ist zwar Landessache, aber die Auswirkungen zeigen sich zu großem Teil vor Ort, im Alltag, in den Kommunen.
Schon heute hat ziemlich genau die Hälfte der in Karlsruhe lebenden Minderjährigen einen Migrationshintergrund bzw. ist Ausländer. In den meisten Fällen bedeutet das, dass es mindestens eine andere Sprache als Deutsch in der Familie gibt, neben Deutsch oder statt Deutsch.
Die Diskussion um "Sprachprobleme von Erstklässlern" zeigt deutlich, dass das allgemein als Problem gesehen wird und nicht als Möglichkeit. Natürlich ist es ein Defizit, wenn man kein oder kaum Deutsch kann, wenn man in Deutschland lebt, aber es geht darüber hinaus, Familiensprachen neben oder statt Deutsch werden als störend und als Hindernis empfunden.
Aber wenn das nun zum Mehrheitsphänomen, zur Normalität wird? Dann ist es keine Option mehr die Tatsache als Problem zu beschreiben.
Das beste wäre meiner Ansicht nach die Perspektive komplett zu wechseln und es als Chance zu sehen, wenn ein Kind mit zwei oder mehr Sprachen aufwächst und dies auch schulisch zu fördern. Das wird immer nur eingeschränkt möglich sein, aber für einige Sprachen wären mittlerweile Lehrkräfte da, die sie sogar muttersprachlich unterrichten könnten.
Meine Hoffnung wäre, dass so ein generell positives Verhältnis zu Sprachen bei den Schülern entsteht und sie dann auch mit Deutsch rascher voran kommen und dass nebenbei mehr Möglichkeiten zum Sprachenlernen für alle Schüler entstehen, weil die Lehrer da sind.
Comments
Wer in Deutschland wohnt,…
Wer in Deutschland wohnt, hat Deutsch zu können.
Einzelne Fächer können auch gerne ab einer gewissen Jahrgangsstufe auf Englisch unterrichtet werden, aber ansonsten auf Deutsch.
Würde jetzt noch auf Türkisch oder Arabisch unterrichtet werden, würden sich die Parallelgesellschaften nur noch verfestigen.
Zur Sprachkompetenz gehört…
Zur Sprachkompetenz gehört auch Leseverständnis.
Wer in Deutschland wohnt hat…
Wer in Deutschland wohnt hat das Grundgesetz zu achten und demokratische Prinzipien, Rechte und Pflichten ernst zu nehmen.
Die Sprache ist dafür kein Indikator.
Der Begriff der Parallelgesellschaft ist irreführend, verzerrt und emotionalisiert. Hier bitte mehr Rationalität.
Wie soll das denn sonst…
Wie soll das denn sonst verstanden werden?
Sollen die ausländischen Schüler etwa freiwillig länger in der Schule bleiben, um ihre eigene Sprache zu lernen?
Zur Sprachkompetenz gehört…
Zur Sprachkompetenz gehört auch einen Text bis zum letzten Absatz zu lesen, wenn man sich dazu äußern will.
Das habe ich. Mir fehlt aber…
Das habe ich.
Mir fehlt aber der Schritt, wie dies konkret erreicht werden soll.
Wie soll „Mehrsprachigkeit schulisch fördern“ konkret umgesetzt werden?
Im letzten Absatz steht nur das gewünschte Resultat, nicht jedoch, wie dies konkret erreicht werden soll.
Dies kann -nach meinem Verständnis- entweder dadurch erreicht werden, dass die Schüler länger in der Schule bleiben, oder dass anderer Unterricht entfällt oder auf der Fremdsprache unterrichtet wird.
Sprechfähigkeit muss…
Sprechfähigkeit muss allgemein erworben werden. Das wird gerne vergessen, weil es viel offensichtlicher ist, dass ein Kind dies durch Erlernen einer oder zweier konkreter Sprachen tut.
Wenn beim Eintritt in die Schule oder nach einem Umzug das Gefühl entsteht, dass die Familiensprache(n) ein Problem darstellen, evtl auch abgewertet werden, auf jeden Fall in Konkurrenz stehen zur Sprache des Schulunterrichts, dann hemmt das evtl den weitere Entwicklung der Sprachkompetenz insgesamt. Diese Kinder lernen dann nicht nur nicht richtig Deutsch, es bildet sie auch niemand formal in ihrer Familiensprache aus. Damit entsteht leicht ein Gefühl in puncto Sprache zu den Untalentierteren zu gehören, obwohl diese Kinder der Mehrzahl ihrer Altersgenossen Sprachkenntnisse voraus haben.
Die Familiensprache als Unterrichtssprache anzubieten, wenn möglich auch den Matheunterricht in dieser anzubieten, würde einen Anknüpfungspunkt für die Familien darstellen üner den diese sich einbringen können und als Nebeneffekt mit den jeweiligen Lehrern automatisch Ansprechpersonen ausweisen.
Und dann klappt's am Ende eben auch besser mit Deutsch.
Hallo, vielen Dank für Ihren…
Hallo, vielen Dank für Ihre Beiträge! Bitte beachten Sie, dass sich die Beiträge im Rahmen dieses Dialogs auf Themen beziehen sollen, die direkt zum ISEK-Prozess „Karlsruhe 2040“ beitragen; aktuelle Inhalte wie hier zur Mehrsprachigkeit liegen nicht im Rahmen eines ISEK. Zudem bitten wir alle Teilnehmenden um die Einhaltung der Dialogregeln der Dialogzentrale, insbesondere zum Themenbezug und zu einer sachlichen, respektvollen Diskussion.
[Hinweis der Moderation]
Naja, der Impuls an die…
Naja, der Impuls an die Landes(bildungs)politik müsste ja schon von den Großstädten kommen, in denen die Zahlen so sind, wie hier beschrieben. Das sind nur neun, aber dort leben immerhin 2 der 11 Millionen Menschen des Landes. In kleineren, ländlicheren Kommunen besteht weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit, weil für keine Sprache eine Klassenstärke zusammenkommt. Insofern ist es schon ein kommunales Thema, nämlich, ob sie an das Land mit diesem Ansinnen herantreten wollen.
"Vater versetzt, Kind…
"Vater versetzt, Kind sitzengeblieben" heißt es seit Jahrzehnten, um die Hürden, die das föderale deutsche Bildungssystem für Familien darstellt, prägnant zusammenzufassen.
Wie muss das erst sein, wenn man von außerhalb Deutschlands als Familie zuzieht? Dazu wird ja keiner gezwungen, könnte man entgegnen. Aber in der EU herrscht Niederlassungsfreiheit. De jure zumindest. De facto ist sie für Familien eingeschränkt. Während die Eltern am Arbeitsplatz in der Regel direkt mit Englisch anschlussfähig sind, sind die Kinder oft mit einer für sie völlig unbekannten Sprache konfrontiert. Ohne die Notwendigkeit Deutsch zu lernen auch nur in Ansätzen in Frage zu stellen, muss man doch anerkennen, dass es Zeit braucht, es zu lernen, dieses Deutsch. Und was machen die Kinder in dieser Zeit in Mathe?
Franzosen haben Glück. Für sie gibt es die Europäische Schule. Aber Polen, Spanier, Italiener? Man hört diese Sprachen oft auf Karlsruhes Straßen. Mathe wird in seinen Schulen, soviel ich weiß, in diesen Sprachen allerdings nicht unterrichtet.
Völlig normal, ja, de facto. Aber dann bleibt die Niederlassungsfreiheit für Familien eben nur eine schöne Idee.