'Fließender' und ruhender Verkehr

Karlsruhe 2040

'Fließender' und ruhender Verkehr

Umwelt
Mobilität

Karlsruhe hat im Großen und Ganzen eine sehr gute Infrastruktur hinsichtlich des öffentlichen Nahverkehrs (ÖNV). Gleichzeitig ist der 'fließende' Verkehr sehr dicht und der ruhende Verkehr verstopft sowohl Wohngebiete als auch Einkaufsbereiche. Hinzu kommt die Umweltbelastung.
Die Stadt macht die Nutzung des privaten PKW zunehmend schwieriger, z.B. durch Abschaffung des 30 minütigem freien Parkens in Einkaufsbereichen, wie der Rheinstraße, Erhöhung der Parkgebühen auf mindestens 1 Euro für 30 Minuten, Ordnungswidrigkeitsstrafzettel wegen kleinster Kleinigkeiten, z.B. ein Reifen auf einer Bordsteinkante zu einer sogenannten Grünanlage, die nur aus zertrampeltem Karopflaster besteht, verstärkte Einschränkungen von Parkflächen, usw. Was die Stadt damit erreicht ist zwar eine Optimierung ihrer Einnahmen, aber gleichzeitig erbost sie damit die Bürger erheblich. Positive Anreize auf den ÖNV umzusteigen setzt die Stadt nicht. Durch ihr Verhalten erzeugt sie eher Trotz, wie ich aus Gesprächen weiß.
Notwendig wäre:
Zuverlässigerer Fahrplan, dichtere Taktung, Linien, die gezielt Orte anfahren, die zu bestimmten Zeiten intensiv genutzt werden, z.B. Sportvereine, Orte der Unterhaltung, Ausflugsziele, usw, weil manche nur schwierig oder zeitaufwendig mit ÖNV erreichbar sind.
Dafür erforderlich wäre eine zuverlässig Statistik zum Bewegungsverhalten der Bürger, mit den entsprechenden Konsequenzen daraus. Und am besten mit dem gesamten ÖNV im gesamten Kreis kostenlos.
MfG, Joachim Kaiser

Comments

Submitted by Guest on Fri, 01/30/2026 - 11:51

Die Stadt Karlsruhe und das Umland hat bereits das beste ÖPNV-Netz Deutschlands für vergleichbar große Städte.
Die Straßenbahnen fahren im so gut wie alle Stadtteile und das im 10-Minuten-Takt. Man kann wohl kaum behaupten, dass dies kein gutes Angebot sei.
Und auch die Forderung nach einem kostenlosen ÖPNV ist nicht sinnvoll, da
a) Studien zeigen, dass die Ticketpreise die Verkehrsmittelwahl nur zu einem geringen Anteil beeinflussen und
b) die Ticketpreise dank Deutschlandticket ohnehin extrem niedrig sind.

Dass die Autonutzung unattraktiver gemacht werden soll, ist sehr vernünftig, da Autos eben primär Nachteile für Städte bringen und daher nicht durch Gratisparken extra angelockt werden sollen.
Und dass Ordnungswidrigkeiten beim Parken konsequent verfolgt werden müssen, ist dringend notwendig, ansonsten heißt es irgendwann „Das haben wir schon immer so gemacht“.
Am Beispiel des Gehwegparkens hat man gesehen, wohin das führt: Es war schon immer verboten.
Irgendwann vor vielen Jahrzehnten hat mal jemand damit angefangen, immer mehr haben es nachgemacht und das Ordnungsamt ist nie dagegen vorgegangen.
Und als es irgendwann so sehr eskaliert ist, dass die Stadt eingreifen musste, hat man sich dazu entschieden, es weitgehend zu legalisieren.

Damit sich Duldung -> Gewohnheit -> Legalisierung nicht nochmal wiederholen, muss das Ordnungsamt von Anfang an durchgreifen.

Submitted by Guest on Fri, 01/30/2026 - 13:26

Auch ich halte es für richtig zunächst das ÖPNV System zu verbessern und Anreize zu schaffen anstatt verbote zu erteilen. Das führt tatsächlich nur zu einem - Reaktanz und das was man im Wahlergebnis sieht und wohl wieder sehen wird.

Ich kann auch nicht nachvollziehen inwieweit wir schon ein sehr gutes System hätten.
Solange ich mich nicht auf die ÖPNV verlassen kann, und in adäquater Zeit Ziele erreiche - ist es nicht gut. Solange ich
- drei Bahnen Puffer einplanen muss, um pünktlich ein Ziel zu erreichen
-jeden zweiten Tag meine Kinder von der Schule abholen muss, weil keine Bahn kommt innerhalb der nächsten 45 min oder länger
- 1,5 Stunden brauche um eine Bahn nach einem ksc Spiel zu bekommen und dann immer noch nur Achselschweiss direkt unter der Nase im Gedränge als Fahrerlebnis habe
- ich zum Arbeitsplatz 3-4x solange brauche als mit dem Auto (30 min statt 1,5-2 Stunden bei verkürzten Öffnungszeiten der Kitas - da brauche ich nicht mehr zu arbeiten)
- solange Anschlüsse z.B. an Busse nach Schulschluss nicht funktionieren und Kinder deshalb 1 Stunde Wartezeit für den Bus haben
- etc
kann man nicht von gut reden.
Das ist zumindest die Situation mit S5 und S4.
Gegenfrage- wir sind schon im top of the Tops zum Thema fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands - warum sollte da noch mehr Geld reininvestiert werden? Solange wir schlecht bei Familien Bildung und Wohnraum sind? Sollten da die Prioritäten nicht für die Zukunft auf die größten Probleme gesetzt werden?

Man kann das beste ÖPNV-Netz der Welt haben (Pull-Faktoren), aber dennoch wird eine Verkehrswende ohne Push-Faktoren nicht funktionieren.
Für eine Verkehrswende braucht es sowohl Push- als auch Pull-Faktoren.

Ihre Horrorgeschichten von der Betriebslage auf der S4 und S5 halte ich für maßlos übertrieben.
Ja, die AVG hat noch immer nicht ausreichend Potential, jedoch ist die Lage mittlerweile einigermaßen gut in Griff.
Vor ein paar Jahren mag das noch gestimmt haben, heute nicht mehr.

Im Vergleich zu deutschen Städten ist Karlsruhe bereits sehr fahrradfreundlich, im Vergleich zu anderen europäischen Städten (Niederlande, Kopenhagen, Paris) hingegen, hinkt Karlsruhe noch immer meilenweit zurück.
Im Ausland kann man sehen, wie attraktiver Radverkehr aussehen kann und wie gut er dann auch angenommen wird.
Das Ziel muss sein, dass Eltern im gesamten Stadtgebiet ihre Grundschulkinder mit gutem Gewissen mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen können, ohne sich Sorgen machen zu müssen.
Solange dieser Zustand noch nicht erreicht ist, besteht noch Nachbesserungsbedarf.

Und welche Beispiele von „hervorragendem Autoverkehr“ im Ausland meinen Sie denn konkret?

Finden Sie den 26-spurigen Katy Freeway in Houston oder den 18-spurigen Highway 401 in Toronto vorbildlich und wollen in Karlsruhe ebenfalls die halbe Innenstadt planieren, um Platz für die ganzen Autos zu schaffen?

Dies sind eher hervorragende Beispiele, wie eine Verkehrspolitik nicht auszusehen hat.

Submitted by Guest on Fri, 01/30/2026 - 14:17

Ich finde es immer wieder schade zu sehen, wie eine andere Meinung und Erfahrung zur Zuverlässigkeit von ÖPNV, Mobilitätsausbau und der Priorisierung der Projekte der Stadt etc. hier niedergeredet wird. Liest man die quantitative Studie der Stadt sind immerhin mindestens die Hälfte der Bürger anderer Meinung zum Thema Mobilität. Warum wird hier Übergriffig und anmaßend diesen Menschen gegenüber reagiert?
Hier konkret: nein das ist nicht übertrieben dargestellt sondern meine aktuelle Erfahrung in meinem Lebensraum mit meinen Lebensumständen. Und nicht nur meine. Mit der Brechstange und dogmatisch alles über einen Kamm zu ziehen und andere Erfahrungen niederzureden halte ich nicht für gut im Sinne des Miteinanders in dieser Stadt. Menschen zuzuhören und ihre Probleme ernst zu nehmen ist der erste Schritt um hier aufeinander zugehen zu können und gemeinsame Wege für die Zukunft zu gehen. Und da sehe ich durchaus einen Ansatz in der Priorisierung der Projekte -was am dringendsten gebraucht wird. Familien und Bildung ist da ganz vorne - und ja auch zu lasten Prestige und Infrastrukturprojekten- weil irgendwoher muss das Geld ja kommen. Und - noch eine Anmerkung - grundschulkinder gehen in der Regel zu Fuß in die Schule. Der Fahrrad Führerschein wird in Klasse 4 gemacht. Die Sicherheit in meinem Stadtteil hat sich seit der Umsetzung des radfernwegs/ Schnellwegs für diese erheblich verschlechtert. Auch hier braucht es Sicherheitskonzepte.

Submitted by Guest on Fri, 01/30/2026 - 15:28

Es gibt mittlerweile die Befürchtung, dass dieses vergraulen von Autofahrern irgendwann für Wahlergebnisse sorgt, die eigentlich keiner haben will. Bitte nicht gegen die Bürger arbeiten.

Es gibt eine ziemlich klare Tendenz, dass die Grünen umso eher reüssieren, je näher die staatliche Orgaebene dem Alltag kommt, sprich OB/Gemeinderat > Landtage > Bundestag. Das dürfte ziemlich sicher daran liegen, dass die Leute grünes Handeln viel mehr mögen als (links-)grüne Theorie. Deswegen glaube ich nicht, dass Ihre These stimmt. Oder glauben Sie wirklich, dass jemand den Verkehrslärm vergangener Tage vor dem Wohnzimmerfenster vermisst und dann empört rechtspopulistisch wählt?

Das Problem sind wohl eher diejenigen, die selbst in einem ruhigen Wohngebiet am Stadtrand oder in irgendeinem Vorort wohnen und es als ihr gottgegebenes Recht sehen, ihre Mitmenschen durch die Abgase aus dem Auspuff langsam zu vergiften.

Submitted by Guest on Sat, 01/31/2026 - 08:33

Wenn ich als Innenstadtbewohner mit dem ÖPNV in die Stadt fahre zahle ich für eine Strecke und seien es zur zwei Haltestellen mittlerweile 3,50 Euro. Hin und zurück 7 Euro. Da ist es billiger sich etwas im Internet zu bestellen und liefern zu lassen. Was natürlich wieder Lieferverkehr in die Stadt zieht. Mit den horrenden Preisen für Einzeltickets tut sich die Stadt keinen Gefallen. Gelegenheitsfahrer bekommt man damit nicht zum Umstieg. Vermutlich soll deshalb der Mobilitätspass als Zwangsabgabe kommen.

Cookies UI